In China entdeckte man schon um das Jahr 1000, dass man nach überstandener Pockenimpfung immun gegen diese Krankheit war. Daher wurden Kleinkinder künstlich mit Pocken infiziert, um sie in ihrem weiteren Leben vor erneuter Ansteckung zu schützen. Diese Verfahrensweise wies erhebliche Gefahren auf.
Die benannte Art der Impfung war auch in der arabischen Medizin geläufig und dehnte sich nach Europa aus. Um möglichst wenige Nebenwirkungen zu erzeugen ging man dazu über, Pockenimpfstoff von besonders milden Pockenfällen abzusondern. Doch auch hier waren die Nebenwirkungen erheblich.

Der Engländer Edward Jenner führte am 1796 an seinem Sohn die erste Pockenimpfung durch. Er stellte fest, dass Menschen, die sich bei Kühen infiziert hatten, den Pocken gegenüber immun waren. Jenner steckte den Jungen sechs Wochen nach der Impfung mit echten Pocken an. Er hatte offenbar eine Immunität erzielt, denn der Junge erkrankte nicht an Pocken. Nach dieser Impfung trat allerdings eine Gehirnschädigung ein und er starb mit 21 Jahren.

Vorerst blieb die Pockenimpfung jahrzehntelang umstritten, da der Impfstoff nicht standardisiert war und nur eine geringe Schutzwirkung hatte (gute Impferfolge zeigte erst der im 20. Jahrhundert eingeführte gefriergetrocknete Impfstoff, allerdings blieb die Nebenwirkungsrate erheblich). Nach und nach wurde in den westlichen Ländern die Pockenimpfung eingeführt, da die Pockenerkrankung weiterhin vorkam und mehrere tausend Menschenleben forderte - in Deutschland zuerst im Jahre 1807 in Hessen. Die deutsche Regierung erklärte am 8. April 1874 durch das Reichsimpfgesetz die Pockenimpfung mit Kälberlymphe zur Pflichtimpfung. Bürgern, die durch eine Impfung gesundheitlich beeinträchtigt wurden, garantierte man gleichzeitig die Entschädigung. Sie verursachte nämlich bei vielen Impflingen schwere Nebenwirkungen, vor allem die gefürchtete Impf-Enzephalitis mit Todesfolge oder schwerer geistiger und körperlicher Behinderung.

Auf Grund der Arbeiten von Louis Pasteur (1822 - 1895) Ende des 19. Jahrhunderts, der Mikroben als Ursache von Krankheiten identifizierte, wurde die Entwicklung von Impfstoffen vorangetrieben. Zur Funktion von Impfungen entwickelte Pasteur immunologische Modelle und führte die ersten Verfahren zur Impfstoffherstellung ein. Ebenfalls erfand er den Begriff "Vaccination" (vom lateinischen Wort für "Kuh", vacca) für die Impfung mit lebenden oder toten Erregern.

Gegen die großen "Seuchen" waren die zunächst entwickelten Impfstoffe gerichtet:

  • Pocken (1798),
  • Tollwut (1885),
  • Pest (1897),
  • Diphtherie (1925),
  • Tuberkulose (1927),
  • Wundstarrkrampf (1927) und
  • Gelbfieber (1937).

Schon 1926 wurden die ersten Versuche mit Keuchhustenimpfungen gestartet. Auf Grund der wissenschaftlichen Fortschritte konnten erst nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Impfstoffe, nun auch gegen Viruserkrankungen, entwickelt werden:

  • Kinderlähmung (1955 Totimpfstoff, 1962 Lebendimpfstoff),
  • Masern (1964),
  • Mumps (1967),
  • Röteln (1970) und
  • Hepatitis B (1981).

Bereits seit längerem wird an künftigen Impfungen gearbeitet:

  • Borreliose,
  • Ebula-Virus,
  • Hanta-Viren,
  • Helicobacter pylori,
  • HIV,
  • Lepra,
  • Malaria,
  • Rota-Viren.

 

Impfreaktion:
Vorübergehende Symptome durch die reguläre Immunantwort. Sie kommen relativ häufig vor und äußern sich in Lokalreaktionen.

Impfkomplikationen:
Therapiebedürftige Erkrankung die durch eine Impfung entsteht

Impfschaden:
Ein Impfschaden ist die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung; ein Impfschaden liegt auch vor, wenn mit vermehrungsfähigen Erregern geimpft wurde und eine andere als die geimpfte Person geschädigt wurde (§ 2 Nr. 11 IfSG).