Welche Rolle spielte Thiomersal?

Chronologische Darstellung der relevanten Krankengeschichte von Tim M.

Es finden sich keine Hinweise auf neurologische Erkrankungen oder ein erhöhtes Risiko für Krampfanfälle in der Familie von Tim M.
Schwangerschaft und Geburt durch Kaiserschnitt am 11. Januar 1996 waren ohne jede Komplikation verlaufen und Tims körperliche und geistige Entwicklung waren altersentsprechend. Es bestand gute  Kopfkontrolle und eine völlig intakte Motorik inklusive dem Greifen von Gegenständen. Der Kontakt zur Umwelt wird als sehr gut geschildert.
Tim wurde in der ersten Lebensmonaten voll gestillt. Die körperliche und geistige Entwicklung waren unauffällig. Im Alter von etwa 12 Monaten krabbelte Tim und erste Worte sprach er mit etwa 15 Monaten.

Am 25. März 1996, im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U 4, wurde die erste öffentlich empfohlene Kombinationsimpfung mit Hib-DT- Merieux, Pa-Vaccinol und oralem Polio-Impfstoff durchgeführt. Diese Kombinationsimpfung entsprach den damaligen Empfehlungen der ständigen Impfkommission am Robert Koch Institut (STIKO). Allerdings wurde von der STIKO seit 1995 auch die allgemeine Impfung aller Säuglinge gegen Hepatitis B empfohlen. Diese Impfung wurde bei Tim noch nicht durchgeführt. Die Impfung wurde ohne akute Komplikationen vertragen, wobei in der Folge der Impfung eine Verminderung des Hörvermögens auftrat, die dann ohne weitere Therapie wieder verschwand und am 30. April 1996 nicht mehr nachweisbar war. Auch traten nach der Impfung erstmals Probleme mit der Verdauung auf, die allerdings nicht mit der Impfung in Zusammenhang gesehen wurden.

Am 30. April 1996 wurde die zweite Impfdosis Keuchhustenimpfstoff (Pa-Vaccinol) verabreicht und die Verdauungsprobleme (meist Verstopfung) bestanden weiterhin.

Am 21. Mai 1996 wurde die zweite Kombinationsimpfung mit Hib-DT- Merieux und oralem Polio-Impfstoff durchgeführt, dazu kam die dritte Impfdosis Pa-Vaccinol. Im Rahmen dieses Termins wurde auch ein unauffälliger neurologischer Status erhoben und ein Schielen ausgeschlossen. Nach dieser Impfung trat verstärkt eine Verstopfung auf.

Am 25. Juli 1996 werden diese Verdauungsprobleme auch als Anamnese bei einer Vorstellung wegen einer akuten Magen-Darm-Infektion in der Patientenkarte von Tim erwähnt.

Am 12. Mai 1997 wurde die erste Kombinationsimpfung mit Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff (Priorix) durchgeführt und ohne Komplikationen vertragen.

Am 12. Juni 1997 wurde die dritte Kombinationsimpfung mit Hib-DT- Merieux und oralem Polio-Impfstoff durchgeführt, dazu kam die vierte Impfdosis Pa-Vaccinol.

Festzuhalten gilt es hier, dass das Impfschema im ersten Lebensjahr von Tim nicht ohne den Verdacht auf unerwünschte Wirkungen vertragen hat. Eine passagere Hörminderung und eine lang anhaltende Störung der Darmfunktion sind dokumentiert und auch mit den durchgeführten Impfungen nach Angaben der Eltern eindeutig zeitlich korreliert.

Auf die Menge des quecksilberhaltigen Konservierungsmittels Thiomersal, die mit dieser Impfserie appliziert wurde, ist Prof. Z. in seinem Gutachten bereits eingegangen und errechnete für das erste Lebensjahr von Tim 250 Mikrogramm und bis zum Alter von 18 Monaten 350 Mikrogramm. Hierzu wird im weiteren Verlauf des Gutachtens noch Stellung genommen.

Da die Familie M. im Dezember 1997 einen Urlaub auf den Malediven plante, wurde vom Kinderarzt am 21. Oktober 1997 nun eine Impfung gegen Hepatits A und Hepatitis B vorgeschlagen. Die Applikation der ersten Impfdosis war am 4. November 1997 geplant. Allerdings wurde der Termin wegen eines akuten Infekts von Tim verschoben und 3 Tage später nachgeholt. Wenige Tage nach dieser Impfung trat ein Schielen bei Tim auf, das noch nie zuvor beobachtet worden war. Die Symptomatik verschwand nach einigen Tagen ohne therapeutische Intervention. Allerdings traten in den folgenden Tagen wieder Beschwerden durch die Verstopfung auf, die auch am 3. Dezember 1997 noch bestanden, als der Termin für die zweite Impfdosis anstand. Nach dieser zweiten Impfung flog die Familie M. in den Urlaub, in dem dann ein Stottern bei Tim bemerkt wurde. Das Stottern war begleitet von Fieber und einem reduzierten Allgemeinzustand. Die Eltern machten sich während des gesamten Urlaubs Sorgen um Tim und suchten auch nach der Rückkehr zusammen den Kinderarzt auf. Auch wurde das für den sprachlich weit entwickelten Tim so ungewöhnliche Stottern von den Eltern auf eine Videokassette aufgezeichnet.

Es wurde eine Malariadiagnostik veranlasst, die allerdings ein negatives Ergebnis hatte. Eine Diagnose, die den Zustand von Tim hinreichend hätte erklären können, wurde nicht gestellt. Im ersten halben Jahr des Jahres 1998 fiel bei Tim eine Veränderung des Verhaltens auf. So beschreibt seine Mutter den Umgang mit Tim als deutlich schwieriger als früher und es fiel auch ein starkes Schwitzen bei geringer körperlicher Belastung auf. Zusätzlich traten immer wieder Infektionen auf und auch die Verstopfung bestand in unterschiedlicher Intensität fort.

Am 30. Juli 1998 sollte die zur Vervollständigung de Hepatitis A / B Impfschutzes die Applikation der dritten Impfdosis erfolgen. Allerdings wurde der Termin wegen eines akuten Infekts der oberen Atemwege von Tim verschoben und am 7. August nachgeholt. Unmittelbar vor dieser Impfung hatte die Mutter von Tim auf ihren Eindruck hingewiesen, dass mit Tim etwas „nicht stimmt“. Wegen des Schwitzens bei Belastung wurde dann ein Elektro-Kardiogramm (EKG) durchgeführt, dass jedoch unauffällig war. Trotz dieser unklaren Situation wurde dann die dritte Impfdosis verabreicht.

In der Folge dieser Impfung kam es dann zu einer kontinuierlichen Veränderung in der Weiterentwicklung von Tim. Er änderte sein Spielverhalten und vermied den Blickkontakt, was vor allem im Kindergarten bemerkt wurde und zu der Vermutung Anlass gab, es könnte sich um eine Störung des autistischen Formenkreises handeln. Allerdings wurde diese Einschätzung von den Kinderärzten nicht geteilt. Erst die Vorstellung von Tim bei Tim heute Frau Dr. G. in Neu-Isenburg erbrachte die Diagnose einer Persöhnlichkeitsstörung mit autistischen Zügen. Die Verhaltenstörungen bei Tim nahmen nun immer deutlicher zu. Es bestand eine deutliche Kommunikationsstörung, fehlende Reaktion auf Ansprache, Tic-artige Muskelzuckungen, Panikattacken und gelegentliche stereotype Verhaltensmuster. Zusätzlich bestand weiterhin eine massive Verstopfung.

Frau Dr. G. veranlasste ein Elektro-Enzephalogramm (EEG), welches auch keine Klärung brachte. Dann erfolgte zur diagnostischen Abklärung die stationäre Einweisung in das Clementinestift Frankfurt am Main. Weitere Untersuchungen wurden dann in der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, dem Autismusinstitut in Langen und der Universitätskinderklinik in Aachen durchgeführt. Alle diese Untersuchungen bestätigen die psychischen Veränderungen bei Tim und die Diagnose lautete „autismusähnliches Krankheitsbild“. Eine Ursache der Erkrankung konnte allerdings nicht eruiert werden, da sich aus den neurologischen, metabolischen und genetischen Untersuchungen keine richtungsweisenden Befunde ergaben.

Der Verdacht auf eine mögliche Impfschädigung wurde damals noch nicht geäußert. Später wurde dann ein Antrag beim Versorgungsamt gestellt und letztlich wurde der Fall von Tim Metz als Impfschaden nach dem Infektionsschutzgesetz durch die Rechtsanwaltskanzlei Dornhoff & Arnal anerkannt.

Wir danken Rechtsanwältin Anja Dornhoff für ihren engagierten Kampf Tim ein Stück Lebensqualität durch die Anerkennung als Impfschaden zurückzugeben.