Beim Streit mit Medizinern eine wertvolle Hilfe

sz Siegen. Weit mehr als 70 Zuhörer - eingeladen hatte der VdK Siegen-Wittgenstein - verfolgten vor kurzem den Beitrag der bundesweit renommierten Rechtsanwältin Anja Dornhoff aus Kirchen, spezialisiert auf Medizinrecht. Sie berichtete aus der Praxis über die Fehlerquellen von Medizinbetrieben.

Ob nun der einzelne niedergelassene Arzt oder ein großer Klinikbetrieb betroffen ist, spielt keine Rolle, meinte Dornhoff. Der mangelhaft, falsch oder gar nicht behandelte Patient sei keine Ausnahme mehr. Aufgrund der hohen Dunkelziffer wird von mittlerweile 500000 Behandlungsfehlern im Bundesgebiet ausgegangen, behauptete die Juristin. Häufigste Todesursache in diesem Zusammenhang stelle die fehlerhafte Dosierung und Zusammenstellung von Medikamenten dar. Dringend geboten sei deshalb, dass der Patient selbst durch Nachfrage beim Arzt die Medikation hinterfragt, um Unverträglichkeiten im Zusammenhang mit Wechselwirkungen zu vermeiden. Solche Fehler passierten versehentlich und seien menschlich noch nachvollziehbar.

Wirklich heikel jedoch sind Fehler im System, von denen die Ärzteschaft Kenntnis habe, „aber trotzdem nicht bereit ist, die Fehlerquelle aufgrund ökonomischer Gründe abzustellen", wie der VdK die Anwältin wiedergibt. Erst kürzlich stellte ein Klinikum in Teilbereichen seine Röntgen-Technik von konventionell auf digital um. Hintergrund war die Effizienz durch höhere Röntgenrate zu erhöhen. Diese Methode sei allerdings - je nach Fall-Lagerung - nicht präzise genug, so dass ein Spalt angezeigt wurde, der nicht vorhanden war. Eine bereits völlig genesene Patientin sei überflüssigerweise erneut operiert worden.

Bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler ist es von daher sinnvoll eine Art Tagebuch zur Gedächtnisstütze des Krankheitsverlaufs inklusive Vermerk der Namen von Ärzten, Pflegepersonal und mit betroffenen Patienten zu führen. Im Nachhinein sind diese kaum noch zu recherchieren. Um sich ein näheres Bild machen zu können, ist es Dornhoff zufolge unumgänglich, die Krankenakte sowie bildgebendes Material in Kopie anzufordern. Dieses Recht steht jedem Patienten gegen Kopierkostenerstattung zu. Arzthaftungsprozesse seien langwierig, das ökonomische Risiko sollte sehr genau abgewogen werden. Die Schlichtungsstellen der Ärztekammern bieten für den Patienten eine kostenlose Überprüfung an, sofern die Behandlerseite zustimmt. Ein Zahlungsanspruch wird durch das Schlichtungsverfahren aber noch nicht ausgelöst, es ist lediglich Grundlage einer außergerichtlichen Einigung. Möglicherweise muss daher trotzdem prozessiert werden.