Maler Karl Friedrich Wagener aus Wilnsdorf zeigt in Kirchener Anwattskanzlei Auswahl seiner Werke

KIRCHEN. Malen, frei von kommerziellen Zwecken und Zwängen - die Innenansicht des Persönlichen, die Affekte und Gefühle mit Form- und Farbkompositionen in das Material geschleudert, so dass es den Betrachter zum Sehen zwingt, und das so Gesehene mit einem Ausdruck hoher Geschwindigkeit initiativ belebt: Karl Friedrich Wageners Ausstellung in den Räumen der Rechtsanwaltskanzlei Dornhoff/Arnal in Kirchen zeigt, wie figurativ entstandene Wahrnehmungen einer individuellen Psyche in Kunstformen gebildet werden.

Außenwelt und Innenwelt, Mensch, Gesellschaft und Natur - alles gebannt und teils gepeinigt unter der Knute der Veränderungsdynamik unserer hochtechnisierten Zeit sind unter anderem der Reflex, der von den 26 ausgewählten Arbeiten des Siegerländer Malers ausgeht und den Betrachter berühren will.
Auf seiner Vernissage verzichtete Wagener auf einen verbalen Einführungskommentar zu seinen Exponaten, überließ es stattdessen den Kunstinteressierten selbst, sich einen Eindruck von seinen Werken zu machen. Der Betrachter habe ebenso das Recht, sich ein Kunstwerk ohne "Fesseln anzusehen, so ungezwungen wie der Maler bei der Entstehung seines Bildes selbst sich keinem künstlichen Druck beugt und vielmehr frei an der Leinwand agiere.
Laudator Günter Schönhof stellte den Besuchern und Gästen den Maler vor: Geboren in Wilnsdorf-Niederdielfen, in dem er auch eine Atelier-Malschule betreibt, habe er bereits mit fünf Jahren die Liebe zum Zeichnen entdeckt. Pferde seien ein beliebtes Motiv seiner Kindheit gewesen und sind in seinen Bildwerken in der Kanzlei hier und da als Thema mit einbezogen. Es sei, so Schönhof, darum nicht verwunderlich gewesen, dass Wageners beruflicher Werdegang "sich mit Formen, Farben und Design befasste".
Bis 1997 arbeitete Wagener als erfolgreicher Grafiker, Kommunikationsdesigner, Illustrator und Art-Direktor. Nun habe er sich vor sieben Jahren einen Traum erfüllt: "den Sprung ins kalte Wasser der freien Kunst". Viele Ausstellungen sowohl im Siegerland als auch weit über die heimischen Gefilden hinaus (Düsseldorf, Bonn, Ludwigsburg, Augsburg, Xanten und in Spanien) kann Wagener in seiner Vita vorweisen.
Kennzeichen seiner Darstellungen ist der sichere und gekonnte Strich mit Überlängen. Menschen in einer Bewegungsdynamik in Szene gesetzt, dann wieder figurativ, stoisch und fast naturgetreu - entstanden aus der inneren Eingebung mit teils sanftem Humor (zwei Bildtafeln zeigen ein Menschenpaar, alt und dick, aber nicht obszön) gewürzt.
"Immer wieder werden Menschen in Mimik, Gestik, in Körpersprache dargestellt, dabei bleibt die Darstellung von Menschen in all ihren Facetten zentrales Anliegen von Wagener, erklärte Schönhof. Sein "malerischer Kosmos" werde von drei zentralen Begriffen geprägt: der Mensch, die Zeit und die Geschwindigkeit. Der kompositorische Gestus verweist auf das Temperament, die professionell ins Bild gesetzte Figur auf den festen Charakter eines mit einer Mission betrauten Künstlers. Von seiner Farbpalette "sprüht" die Liebe zum Kolorit und Effektvollem auf seine Malgründe, Leinen. Holzfaserplatte und Papier. Acrvl, Öl, Kreide, Kohle und Pastellstifte sind u.a. die Werkstoffe, aus dem die Farben seiner Arbeiten sind.
Oliver J. Krissel
 
Bis einschließlich Freitag dauert die Ausstellung. Kontakt zu Künstler Wagener über: Atelier-Malschule, Gartenstraße 39, 57234 Wilnsdorf-Niederdielfen, Tel. 0271/393 77 51.