Multi-Media Ausstellung noch bis 9. Februar im Kirchener Rathaus zu sehen - Auftakt mit Experten

 

"Impfungen - Hilfestellung für das Immunsystem" lautet der Titel einer Multi-Media-Ausstellung im großen Sitzungssaal des Kirchener Rathauses, mit der bis zum 9. Februar der Impf-Müdigkeit begegnet werden soll. Auftakt war mit einer Podiumsdiskussion, bei der Experten die Notwendigkeit des Impfens deutlich machten, aber auch über mögliche Risiken aufklärten.

KIRCHEN. Früher war sie als "Würge-Engel" der Kinder gefürchtet, heute wird ihre tödliche Gefahr verkannt: Die Diphtherie, die tödliche Herzerkrankungen verursacht, ist wieder auf dem Vormarsch. Angesichts erschreckend zunehmender Impflücken in der Bevölkerung will die Multi-Media-Aussstellung "Impfungen", die bis zum 9. Februar im Rathaus zu sehen ist, die Sensibilität für das Thema aufrecht erhalten.

Die wissenschaftliche Gestaltung erfolgte durch die Firma Biomed Consult (Göttingen), Initiatoren der Ausstellung sind die AOK sowie die Gemeinschaftspraxis Johannes, Traupe, Thielmann (Kirchen). Auftakt war Freitagabend mit einer Podiumsdiskussion. Was das Impfen angeht, so Moderator Dr. med. Wolfram Johannes, "ist die Bevölkerung bequem geworden." Viele Gefahren würden einfach nicht mehr gesehen. Galt Diphtherie bis in die 20-er Jahre als tödlicher "Würge-Engel" der Kinder, werden heute unsere Säuglinge gegen diese Geißel geimpft - doch Bundesbürger im Erwachsenenalter haben in der Regel keinen Impfschutz gegen sie. Dabei kommt die Krankheit durch Touristen und Migranten verstärkt wieder zu uns. Prof. Dr. rer. nat. Bruno Christ (Kopenhagen), Geschäftsführer von Biomed Consult, warnte vor einer Unterschätzung der Infektionskrankheiten und einer jederzeit möglichen Rückkehr der Seuchen, da viele nicht mehr ausreichend durch Impfung geschützt sind. Wo der Mensch von Abermillionen unsichtbarer Fremdstoffe bedroht ist, habe "keine medizinische Maßnahme Krankheiten so erfolgreich bekämpft wie die Impfung".

In Deutschland wurde 1996/98 bei einer Untersuchung an 18- bis 20-jährigen Rekruten unzureichender Impfschutz festgestellt: Gegen Diphtherie waren nur 38 Prozent, gegen Polio nur 34 Prozent, gegen Tetanus nur 55 Prozent ausreichend geimpft. Masern, die schlimme Spätfolgen (u.a. durch Hirnentzündungen) haben können, traten in Deutschland noch 1996 epidemieartig auf. Dr. Marianne Wasmuth, Leiterin des Gesundheitsamtes Altenkirchen: "Seit diesem Jahr besteht für Masern Meldepflicht." Das Gesundheitsamt praktiziere seit zehn Jahren, was ebenfalls mit Jahresbeginn Pflicht wurde: bei der Einschulungs-Untersuchung den Impf-Status der Kinder zu kontrollieren. Die ersten Impfungen werden noch gut in Anspruch g enommen, die Nachimpfungen aber schon nicht mehr. Auch gebe es im Kreis regional gravierende Unterschiede: Manchenorts verfügen über 90 Prozent der Kinder über Impfschutz, andernorts sind's nur 10 Prozent.

Leider immer noch, so Wasmuth, raten Ärzte teilweise von der Maser/Mumps/Röteln-Impfung ab oder beugen sich dem Elternwillen. Noch 1994 hatten in Deutschland 78 Prozent der Ein- bis Drei-Jährigen keinen ausreichenden Impfschutz gegen Röteln, die schwere Missbildungen bei Ungeborenen verursachen. "Glücklich" ist Wasmuth aber darüber, dass vermehrt auch Kinder gegen Hepatitis B geimpft werden. Tetanus (Wundstarrkrampf) verläuft in 50 Prozent der Fälle tödlich. Der Erreger kann überall sein: in Erde, Staub, an Dornen, Holzsplittern und rostigen Gegenständen.

Günter Salzig (Regionaldirektor AOK Rheinland-Pfalz, Altenkirchen) sagte, mit der Globalisierung steige die Ansteckungsgefahr, und schon bei einem Aufenthalt auf deutschen Flughäfen könne man sich mit Malaria infizieren. Die Impfungen sind kostenlos. Immer wieder "bete" man gegen Sorglosigkeit und Impfmüdigkeit an.

Auf Sinn und Zweck von Impfungen für die Gesamtmenschheit weist Dr. Michael Fink (Gebhardshain), Allgemeinarzt und Präsidiumsmitglied der Landes-Ärztekammer, hin: "Eine Masse Geimpfter verhindert das Ausbreiten der Krankheiten."

Eine impf-kritische Haltung nimmt Rechtsanwältin Anja Dornhoff (Kirchen) vom Schutzverband der Impfgeschädigten ein, betont aber, dass der Schutzverband sich nicht prinzipiell Impfungen verwehre. Impfschäden träten sehr selten auf und seien noch seltener in schlechten Impfstoffen denn in der Person des Geimpften bedingt. Folgen sind dann meist Allergien, Lähmungen, Gehirnschäden, zu 80 Prozent sei das Sprachzentrum betroffen.

Aus Mandantenschutzgründen weisen wir darauf hin, dass zwischen Frau Rechtsanwältin Dornhoff und dem Schutzverband für Impfgeschädigte e.V. seit dem 21.10.2002 kein Mandatsverhältnis mehr besteht und Frau Rechtsanwältin Dornhoff den Verein rechtlich nicht mehr berät.